Sieben Dimensionen

Aus Generalistische Pflegeausbildung
Wechseln zu: Navigation, Suche

Top7c.jpg

Modell der sieben Dimensionen der Pflege

Zur Entstehungsgeschichte des Modells der sieben Dimensionen der Pflege

Generalistisch institutionsuebergreifend.jpg

Den Blick weiten

Bei der Einschätzung, die generalistische Ausbildung führe die Altenpflege, die Krankenpflege und die Kinderkrankenpflege zusammen, bzw. schaffe diese Ausbildungen ab, handelt es sich um eine nicht ungefährliche Fehleinschätzung. Dieser Aspekt hat die Diskussion um die Reform der Pflegeberufe derart dominiert, dass wichtige Aspekte nicht oder jedenfalls nicht ausreichend beachtet wurden.

Generalistische Pflege umfasst nicht nur die Pflege von Menschen „aller Altersstufen“:

„Die generalistische Pflegeausbildung qualifiziert für alle Bereiche der Pflege. Sie gewährleistet, dass sich der Beruf den veränderten Anforderungen an die Pflege anpasst und damit zukunftsfest wird. Die generalistische Ausbildung steigert die Attraktivität des Berufes…“

Auch Dr. Christine Jakob, Wannseeschule Berlin, stellt in der Begründung für das Modellprojekt „Generalistische Ausbildung“ an ihrer Schule einen Zusammenhang zwischen generalistischer Pflege und

  • strukturellen und arbeitsorganisatorischen Anforderungen im Berufsfeld Pflege
  • gesundheitspolitische Veränderungen
  • demografischen und gesellschaftlichen Entwicklungen

her. Nur der letzte Punkt bezieht sich mittelbar auf das Alter der Pflegeempfänger, weil – wie allgemein bekannt – die demografische Entwicklung zu einer Zunahme betagter pflegebedürftiger Menschen führen wird. Bleiben noch zwei beachtenswerte Gesichtspunkte: Wie organisiert sich Pflege im sektoralen Gesundheits- (oder müsste man besser sagen Krankheits-)Wesen.

Es gibt große Defizite zu beseitigen, die durch die künstliche Trennung in ambulante und stationäre Versorgung sowie die Aufteilung in Zuständigkeiten der Pflege- bzw. der Krankenversicherung Kranke, Pflegebedürftige und deren Angehörige stark belasten. Wie müssten Pflegefachleute von morgen ausgebildet werden, um einen Beitrag zur Überwindung sektoraler Strukturen zu leisten, und damit die Defizite zu beseitigen?

Als erstes Zwischenergebnis wäre festzuhalten: Generalistisch ausgebildete Pflegefachleute sind generell (im Sinne von allgemein oder umfassend) für alle Pflegebedürftigen Menschen zuständig, egal ob alter oder jung, ob in der stationären oder ambulanten Pflege, unabhängig davon, ob die Pflegebedürftigkeit durch Alter oder Krankheit oder Behinderung entstanden ist.

In diesem ersten Zwischenergebnis lassen sich bereits drei Dimensionen von Pflege erkennen:

  • die biografische Dimension bezieht sich auf die Frage, wann in der Lebensgeschichte eines Menschen die Pflegebedürftigkeit auftrat
  • die kausale Dimension von Pflege bezieht sich auf die Frage, warum bzw. wie die Pflegebedürftigkeit entstanden ist
  • die institutionelle Dimension von Pflege bezieht sich auf die Frage, in welchem institutionellen Kontext, d.h. unter welchen strukturellen Rahmenbedingungen diese Pflege geleistet wird.

Welche weiteren Dimensionen von Pflege gibt es? Schon bei der Umstellung der Ausbildung aus das Krankenpflegegesetz von 2003 schienen 7 Dimensionen beachtenswert. Bei dem Versuch, ein Pflegelehrbuch danach zu gliedern, haben sich die Zuordnungen leicht verändert. Mit Stand von heute und angeregt durch die Lektüre des Pflegeberufsgesetzes lassen sich folgende Dimensionen postulieren:

  • professionelle Dimension der Pflege: Wer pflegt? Hierzu gehören z.B.
    • die gesetzliche Regelung der klassischen beruflichen Pflegeausbildung sowie der hochschulischen Pflegestudiengänge
    • die Definition von den professionell Pflegenden vorbehaltenen Aufgaben
  • individuelle Dimension von Pflege: Wer pflegt wen? Hierzu gehören z.B.
    • die religions-, kultur- und gendersensible Pflege
    • das Aushandeln von Pflegeleistungen aus Pflegebedarfen und Pflegeerfordernissen gemeinsam mit dem Patienten, Bewohner, Kunden oder Gast
  • biografische Dimension von Pflege: Wann im Laufe der Lebensgeschichte tritt Pflegebedürftigkeit auf? Dies umfasst z.B.
    • Pflegebedarfe, die sich aus den Entwicklungsaufgaben ergeben (vgl. Havighurst oder Erikson)
    • Pflege als Begleitung in besonderen Lebenssituationen
  • institutionelle Dimension der Pflege: Wo, d.h. unter welchen strukturellen, organisatorischen, rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen findet Pflege statt? Hierzu gehören z.B.
    • Pflegeüberleitung und Brückenpflege sowie Casemanagement als Aufgabe der Pflege, Defizite, die in der sektoralen Struktur des Gesundheitswesens begründet sind, zu kompensieren
    • Aufgaben der Pflege als Lotsen im Gesundheits-, Krankheits- und Pflegewesen für Pflegebedürftige und deren Angehörige
  • kausale Dimension der Pflege: Warum bzw. wie ist Pflegebedürftigkeit entstanden? Welche Ursachen hat Pflegebedürftigkeit? Daraus ließe sich z.B. ableiten,
    • wie Pflegebedürftigkeit vermieden werden könnte
  • finale Dimension von Pflege: Mit welcher Zielsetzung pflegen Pflegefachleute:
    • Präventive Pflege
    • Kurative Pflege
    • Rehabilitative Pflege
    • Palliative Pflege
  • qualitative Dimension von Pflege: Woran misst sich gute Pflege? Was sind harte Kriterien oder weiche Indikatoren für Pflegequalität

Ein 2016 erschienenes Buch gibt den Hinweis, noch eine achte Dimension zu ergänzen: Die spirituelle Dimension von Pflege. Als Begründung für die Beschränkung auf 7 Dimensionen dient alleine die Praktikabilität. Spirituelle Aspekte mögen einerseits in der professionellen Dimension und andererseits in der individuellen Dimension mitgedacht werden; ähnliches gilt für interkulturelle und interreligiöse Aspekte oder die Frage der gendersensiblen Pflege.

Literatur und Quellenangaben

  • Auswertung der Stellungnahmen verschiedenster Verbände und Politiker, wie sie begleitend zum Gesetzgebungsverfahren abgegeben wurden, auf http://www.pflegeausbildung-generalistisch.de/index.php/Archiv
  • Deutscher Pflegerat: „Generalistik“ im inernet: http://www.deutscher-pflegerat.de/pflegeberuf/Generalistik.php (zuletzt abgerufen 01.07.2017)
  • Dr. Christiane Jacob: "Generalistische Pflegeausbildung - Modellprojekt an der Berliner Wannsee-Schule" Im Internet: http://www.wannseeschule.de/download/heft32008.pdf (zuletzt abgerufen am 01.07.2017)
  • Eine erste Veröffentlichung des Modells der 7 Dimensionen von Pflege findet sich in der Handreichung zur Umsetzung des Krankenpflegegesetzes 2003, herausgegeben vom Sozialministerium Baden-Württemberg.
  • Hemma Prenner: Die spirituelle Dimension in der Pflegeausbildung; Konzeption und Evaluation eines Workshops, Springer Verlag 2016

Generalistische Pflegeausbildung bei Facebook